Montag, 14 Juni 2021 21:01

Ohse und Wohltmann einstimmig als Kandidaten für die Kommunalwahl gewählt

Oker. Hundert Prozent für die beiden Bewerber der Linken, die die Chefposten in Kreis- und Stadtverwaltung ins Visier nehmen: Rüdiger Wohltmann erhielt am Montagabend im frisch gestrichenen großen Saal der Begegnungsstätte 15 von 15 Stimmen für seine Kandidatur als Landrat. Michael Ohse kam auf 14 von 14 Stimmen, als beim Oberbürgermeister-Wahlgang ein Langelsheimer Mitglied keinen Zettel ausfüllen durfte. Kurz und schmerzlos gingen Vorstellungen und Wahlgänge für das Duo über die Bühne, das gemeinsam eine Fraktion im Goslarer Rat bildet. Vielleicht sitzt der im Oberharz geborene Vorzeige-Okeraner, der allerdings schon ein paar Jahre in Sudmerberg wohnt, ab November vorn auf jenem Stuhl, den SPD-Landrat Thomas Brych im Herbst räumt?

Erster Pensionärstag

Auch wenn eine solche Personalie nach Wahlarithmetik in der Wahrscheinlichkeit gegen null tendiert, mangelt es dem 62-jährigen Politik-Routinier nicht an Selbstbewusstsein. Am rechnerisch ersten (Arbeits-)Tag

nach seiner Pensionierung plauderte der frisch verabschiedete Polizeihauptkommissar und Leiter des Einsatz-und Streifendienstes in Salzgitter-Lebenstedt mit leichtem Spott und viel Ironie über seine

schwierige Lage: Er müsse sich schließlich „fast schämen“, wenn er bei der aktuellen Bewerber-Lage am Ende nicht Landrat werde.

Während er bei den anderen Parteien quasi Verlegenheitskandidaten am Start sieht, würdigt er bei Brych – früher ebenfalls Polizist – zumindest persönliche Qualitäten.

Den Landkreis habe aber auch er „nicht wirklich nach vorn gebracht“ und zudem seine Rolle insofern falsch interpretiert, als ein Landrat „keine Fraktion hat, sondern dem Kreistag verpflichtet ist“. Er, Wohltmann, werde dies anders halten.

 

Bei solch markigen Worten wollte auch Ohse offenkundig nicht hinter dem Berg halten und sah sich bereits in einer Stichwahl ums Oberbürgermeister-Amt, ohne den erwarteten Gegner in Runde zwei beim Namen zu nennen.

Der 64-jährige Betriebsleiter leitet die Schwarzpulver-Fabrik in Kunigunde und hätte dort beruflich noch bis Ende August 2022 zu tun, wenn es die Goslarer Wähler nicht anders bestimmten.

Die konsequent geforderte Beitragsfreiheit für die Kindertagesstätten – auch für Krippen und Horte – sowie die Linken-Verdienste beim Verhindern einer Betriebshof-Teilprivatisierung hob der Goslarer in der Ratsarbeit hervor.

Als Sprecher des Bündnisses gegen Rechtsextremismus markierte er außerdem Gedenkstättenarbeit und den „Kampf gegen Nazis“ als persönliche Schwerpunkte.

Die Wahlen waren reine Formsache und dauerten bei Weitem nicht so lange wie die Vorstellung des 32 Seiten umfassenden Wahlprogramm-Entwurfes durch Goslar-Chef Karsten Färber.

 

Auf Antrag der Co-Kreisvorsitzenden Petra Stolzenburg wurde es aber noch geschoben. Redaktionelle Änderungen und insbesondere die Ergebnisse eines noch anstehenden Gespräches mit den Akteuren von „Fridays for Future“

sollen in das laut Ohse „Baukastenprinzip für Mandatsträger ohne Anspruch auf Vollständigkeit“ eingearbeitet werden, bis am 7.Juni die Listenaufstellung für Kreistag und Räte erfolgt.

Quelle Goslarsche Zeitung - Redakteur Frank Heine (gekürzt)

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